Donnerstag, 27. Juni 2019

Taunusbikepacking 2019

Moin!

Zum Setup hatte ich ja fast geschrieben und hier kommt nun der Bericht zu der Tour.

Samstag 22.6.2019 -  8:30
Aufstellung der Starter (60 Teilnehmer max. möglich)
Einige waren nicht zum Start gekommen und so stand da nun ein buntes Völkchen. Cracks, welche die Strecke von 800 KM und mehr als 13.000 Höhenmeter auf Zeit fahren wollten und Wandervögel, welche einfach Stück für Stück fahren wollten und das war ich. Ich der irgendwie mal so 120-140 KM am Tag geplant hatte und dabei einfach viele viele Dinge vergessen hatte.  :-)

9:00 los ging es.
Gemütlich mitrollen und sich irgendwo mit dranhängen war die Devise.
Stunde 1 war gut, Stunde 2 auch, Stunde 3 ging auch und dann war da schon Niedernhausen bei KM 55. Eigentlich viel zu gut. Das Midsommernachtsfest in Niedernhausen hatte aber noch nicht gestartet und so fiel die Bratwurst aus. Ein Fehler hier weiterzufahren.
Also weiter Stunde 4 und Stunde 5 und es ging von Eppstein nach Glashütten hoch. Boah, da war ich schon fertig. Die Strecke hoch ging über eine Wiese , eine frisch gemähte. Was für ein Dreck. Meine Schaltung hat Gras gefressen (Anfängerfehler habe ich gelernt - Durch Wiesen schiebt man)
Die ersten kurzen Verschnaufspausen standen an und der Weg zum Supermarkt Glashütten zog sich. Aber endlich kam er und die erste größere Pause stand an.
Waldems am Fussballplatz vorbei (alte Erinnerungen) und dann strandeten wir zu 3 in Idstein. Ein gutes Essen und um 19:30 ging es weiter. Taunusstein, Bleidenstadt, Bad Schwalbach - Immer hoch und runter, kleine Stiche und tolle Landschaften. Ach, hatte ich schon erwähnt, daß meine Schaltung nicht auf mein Rettungsritzel hochschaltete. Doof !  Extrem doof war das. Supermarkt und Nachtverpflegung gekauft. Und weiter ging es mit einer Truppe von zu diesem Zeitpunkt 5 Leuten. Bei KM 139 und 2.425 Höhenmetern war dann auch gut. Zu zweit enterten eine Hütte hinter Bad Schwalbach. Die anderen Recken fuhren noch weiter. Hängematte aufgespannt, Zähne geputzt und ab in die Falle. Die Nacht war kurz, ich hatte kalte Füsse und war häufiger wach. Ach ja - Glühwürmchen gab es viele. Schön das zu sehen.  Dann ab in die Falle.

Fazit zu Tag 1 - Geile Strecke , tolle Aussichten, spannenden Menschen. Mehr als 12 Stunden unterwegs und davon mehr als 9 im Sattel. 


Tag 2 - Sonntag

Um 4:30 war ich wach und genoss erst einmal den Morgen und die Geräusche.
Die Nacht war nicht so angenehm wie geplant. Warum ? 1. Zu kalt - Ich hätte die Isomatte unterlegen sollen - Zu spät.

Um 6 Uhr waren wir auf den Rädern und weiter ging es. 2 Kilometer einen Mitradler in einer anderen Hütte angetroffen. Der war noch nicht startklar. Muskeln ? Oh ja, die meldeten sich. Das fehlende Ritzel hatte einige Körner gekostet. Es ging bergauf und das zum Morgenstart - Na toll ! Dann steil bergab und wieder hinauf und wieder hinab und wieder hinauf und kennt ihr ja jetzt, oder ? 
Mittlerweile fuhren wir zu zweit und machmal zu Dritt und ein ist so ein stoisches Miteinander. In Nastätten erst einmal ein Cafe geentert, da war bereits 9 Uhr und wir hatten nach dem Pausendeseaster von Tag 1 die klare Vorgabe 2-3 Std radeln und dann Pause. Frühstück war gut aber ich konnte nix Essen und musste mir das echt reinquälen (Scheint aber normal zu sein, haben mir andere später berichtet)
Die Anstiege taten bereits weh aber es musste ja weitergehen.
Es sollte eigentlich runter zum Rhein gehen. Ich habe da wohl einige Steigungen im Track übersehen und so gab es eine erhebliche Diskrepanz zwischen Kopf und Beinen.Zwischendurch war auch die Kilometermarke 200 geknackt und der neue Track durfte aufs Garmin gespielt werden.

Boah wurde das gerade zäh.
Meine Freundin war mit dem Zug nach Rüdesheim unterwegs. Dort wollten wir uns treffen und die Unterkunft war in Lorch (noch mal 26 KM weiter geplant) - Also auf nach Rüdesheim und um 17:30 war ich endlich endlich da. Einen kurzen Kaffee getrunken und dann habe ich mich mit Blick auf die Uhr wieder auf den Weg gemacht. Auf auf zur Germania - Ging ja bergauf - War mir schon klar....
Heiß war es und man fuhr direkt in der Sonne - Super !  Toller Blick auf Burg Ehrenfels und weiter durch die Hitze in den Weinbergen.Und dann war da noch die Biene, welche unverhofft direkt auf Kollisionskurs mit mir war. Auge in Auge und ich hatte mich so erschreckt. Kopf eingezogen und Glück gehabt. Aufschlag wurde vermieden. Kennt Ihr das auch? Hochschauen und Insekt im Blickfeld ....






Es wurde später und später und ich hatte die Anstiege hinter Lorch nicht richtig auf dem Zettel. Ich war fertig. Doch bis zum Hotel hatte ich es geschafft. Dann kurz zum Italiener und 2 Pizzen geholt. Ich hatte Schüttelfrost, konnte nix bzw. fast nix Essen und fiel einfach ins Bett. Das neue ovale Kettenblatt ist angenehm, machte jedoch darauf aufmerksam, daß einige Muskelgruppen diese Belastung noch nicht kannten. (Set Up Änderungen vor Start sind .... Nix gut ! - Lernfeld 2 nach Lernfeld 1 - Thema Pausen.
Und für kommende Events einfach keine Mindestziele setzen.... Und - Ich muss noch offiziell "Mea Culpa" bei der besseren Hälfte sagen. Ich war so fertig.
126 Kilometer / 2048 Höhenmeter  (Aua) 


TAG 3:

Geschlafen bis um 7:30 und dann um 8 Uhr beim Frühstück - Das war lecker aber ich konnte noch immer nicht soviel essen wie ich wollte. Irgendwie war bei der Nahrungsaufnahme der Wurm drin. Um 9 Uhr wieder auf dem Rad und es ging.....bergauf und mit mir bergab.
Es war alles so endlos und meine Beine so schwer und der fehlende Gang tat sein übriges. Es war die große Phase des Mimimimi und ich bin dann einfach mal in die Wiese gefallen und habe 20 Minuten gepannt. Weingummi konnte ich jedoch gut zu mir nehmen. Wenigstens etwas. Ich fuhr weiter und dann kam ein Treckerfahrer. Der hielt an und sprach:"Taunusbikepacking ? Geil !"
Stellte sich heraus das das auch so ein Verrückter dieser Community ist. Danke für die Aufmunterung. Und dann kam und kam kein Bäcker, kein Laden - NIX !
So fuhr ich einfach weiter und weiter und der Schnitt wurde immer langsamer. Das Ziel war Bad Ems. Irgendwann war ich an der Lahn und kühlte erst einmal ab. Das tat gut.
Bad Ems noch ein paar Kilometer und dann war endlich ein Supermarkt in Sicht. Pause an der Lahn mit Getränken, Weingummi und und und. Ach ja und 25 Minuten Schlaf auf einer Bank.
Aufgerafft und weiter ging es und dann kam mir eine Mitstreiterin entgegen. Ich konnte Sie dann motivieren doch weiterzufahren. Also weiter. Und wieder dieses auf und ab auf den unbefestigten Wegen.
Dann kurz vor Miehlen traffen wir ein paar E-Biker, welche schon einige der Bikepacker vor uns getroffen hatten. Denen gehört der Campingplatz mit Restaurant in Miehlen und da ja Montag war und einige Läden zu hatten wurden wir zu einem anderen Restaurant geleitet. Ebenso erfuhren wir, das die Personen schon den Radlern vor uns eine Kiste Wasser vor den Campingplatz gestellt hatten. Wie geil ! Schön so etwas zu erfahren.
Aber für uns ging es noch etwas weiter. Rettert hieß das Ziel. Die Mitfahrerin hatte sich dort eine Pension gebucht und ich wollte die nächste Hütte entern.
Es ging weiter und ich ließ Sie vorfahren. Das fehlende Ritzel machte mir zu schaffen bzw. ich hatte es mittlerweile soweit, daß ich es per Hand auflegen konnte. Das war schon besser aber nicht gut.
Dann fand ich einen tollen Spot und wollte eigentlich draussen pennen. Ich hatte schon alles eingerichtet und ein paar nette Bilder gemacht aber dann hatte ich noch gesehen, daß ein paar Meter weiter eine Schutzhütte war.



Ich habe mich dann in der Hütte eingerichtet, hatte noch Besuch von Glühwürmchen und irgendwas raschelte noch draussen rum. Ich bin aber dann eingepennt und hatte gut geschlafen.
Essen war leider noch immer nicht besser.

Fazit : Gesamt 366 KM (also 100 an diesem Tag) und wieder mehr als 1500 Höhenmeter. 
Ausblicke und tolle Trails und einen sehr sehr müden Radler.

Ach ja - AS (ein weiterer Starter) hatte mich hier noch überholt und als er sah das ich mit aufgeblasener Isomatte durch den Wald wanderte fragte er sich schon warum und was ich da gerade mache? Super von ihm war aber das er dann die 500m zurückkam und mir sagte, daß die Hütte wirklich da ist -- DANKE

Ach ja - da war ja noch was. Im Taunus haben ja fast alle Pferde so einen Sichtschutz auf (So ne Kapuze die die Augen abdeckt) und in dem Moment als ich um die Ecke der Koppel fuhr schaut das Pferd hoch und auf der Kapuze waren so 2 Comicaugen aufgedruckt. Ich habe vor Lachen fast in den Lenker gebissen. Da kämpft man sich gerade den Berg hoch, erwartet nix und dann so ein Anblick. Leider habe ich kein Photo davon. 

Tag 4:
 Morgens um 4:40 wird man im Wald automatisch wach - Also einfach mal den Geräuschen der Natur gelauscht. Das ist schon echt toll. Ich habe keine Angst vor Tieren, sondern eher vor Menschen. Ans draussen schlaffen muss man sich aber gewöhnen. Ich hatte so leichte Schwierigkeiten, habe aber insgesamt gut geschlafen.

Ziel war es den Checkpoint zu erreichen. 34 Kilometer. Ziel in 3 Std aber zuerst einmal Reifen aufpumpen (war irgendwie halbleer)
Es zog sich und die Beinmuskeln taten gut weh - Dann ging es hoch nach Kemel  und dort hingen die Fahnen des lokalen Supermarktes. Auch ein Klo und ein Bäcker waren dort - Paradies !
Dann die Burg Hohenstein mit der extrem steilen Rampe. Ich setzte mich auf den Asphalt um einen Stein aus dem Schuh zu holen. Eine nette Autofahrerin fragte, ob ich einen Unfall gehabt hätte. Nein, ich war eher umgefallen, weil es so steil war gab ich lachend zurück. Zum kommenden Bild - Bin ich oder war doch Er der wahre ....

 Nach dem Steilstück zogen sich die Kilometer und irgendwann erschien das Schild  Checkpoint (Also Halbzeit) in 1000m. Hin da und mit Applaus empfangen worden.

Eine Scheune, ein Grill, ein paar Liegeflächen und und und. Paradies 2 für müde Radler. Einer der Mitfahrenden und Freund der Orga hatte kurzerhand nach seinem technischen Ausscheiden (Schaltwerk abgerissen) hier seine neue Aufgabe gefunden. Mutter der KOmpanie und die müden Ankommenden aufzuheitern und zu verpflegen. Danke Danke Danke.
Nach einer gefühlten Ewigkeit machte ich mich dann doch wieder auf den Weg. Allerdings war meine Motivation weg. Es ging gar nix mehr. Und dann kamm auch noch das Schild - rechts ab nach Bad Camberg in 20 KM. Ich konnte also abends im eigenen Bett liegen. Das wars dann. Ein Abschiedseis mit 3 Mitradlern gegessen und dann auf die letzten 18 KM gemacht. Die hatten es allerdings auch in sich.

FAZIT :

1. Du brauchst nur 50% der Dinge, welche Du als Rookie ursprünglich eingepackt hast
2. Pausen Du einplanen musst.
3. Mehr Bilder Du machen musst.
4. Draussen ist es einfach wunderschön und Radeln ist totale Auszeit
5. Kaufe Dir ein gescheites Licht und nehme eine aktuelle Brille, damit Du Nachts fahren kannst
6. Ändere nicht Dein Setup kurzfristig (Kann weh tun)
7. Plane Deine Tagestour nur ganz grob und passe Dich Deiner Verfassung an
8. Übernachten im Wald ist spannend / Nicht gemütlich aber spannend
9. Man kennt sich kaum aber hilft sich ungemein
10. Nach Wasser zu fragen ist keine Schande - Auch hier wird einem in 95 % der Fälle geholfen
11. Der Taunus ist wunder wunder schön
12. Fliegen schmecken nach nix, wenn man Sie schnell genug runterschluckt
13. Rehe und Wildschweine können ziemlich schnell sein (zum Glück vor mir weggerannt (also das Schwein) 
14. Bei der Heimfahrt per bahn roch es am Frankfurter Bahnhof  hinter mir auf einmal extrem nach Deo... Ich glaube da hat jemand mal versucht meinen Duft zu neutralisieren.... Auch das gehört dazu :-)

Daher gilt mein dank an Jesko. Die Strecke (also das was ich gefahren war ist zwar hart aber jeder Anstieg wird belohnt) Ich bin froh das gemacht zu haben, da man irgendwie totales Neuland betritt.
Ich werde bestimmt noch einmal so etwas machen. Siehe Lernfelder oben. Und ! Ich werde die fehlenden KM noch fahren. Die Strecke ist wirklich supertoll. Ich habe soviele neue Ecken gefunden, neue Ausblicke und auch neue Einblicke erfahren.

Danke an die Organisation, die Mitfahrer, die helfenden Hände an der Strecke , den Support im Bereich Social Media und und und. Fetter Respekt an Alle die ankommen. See ya














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